Iwan Pasuchin

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Pädagoge

Kurzdarstellung

Mit der Lehrtätigkeit begann Iwan Pasuchin im Jahre 1998 an der Universität Mozarteum, an der er bis heute im von ihm mitgestalteten Medienbereich unterrichtet und von 2002 bis 2006 den MA-Universitätslehrgang 'Neue Medien in der Musikpädagogik' leitete. Seit 2001 erhält Iwan Pasuchin zahlreiche Lehraufträge und Einladungen zu Gastvorträgen an Universitäten und Hochschulen in Deutschland und Österreich. Ab 2008 konzentriert er sich verstärkt auf die kreativ-partizipative Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen, wobei er den von ihm entwickelten, an vielen Schulen erprobten und mehrfach ausgezeichneten 'WeTube'-Ansatz auch im Rahmen von LehrerInnen-Aus- und Fortbildungen vermittelt. Auf Basis dieses Projekts konzipierte er für die Neue Mittelschule Salzburg-Lehen das Fach 'Kreative Mediengestaltung', das er ab dem Schuljahr 2011/12 selbst unterrichtet.

Werdegang

  • Seit 1998 Unterrichtstätigkeit an der Universität Mozarteum Salzburg. Zunächst am Orff Institut als "funktioneller Assistent" und ab 2001 am (von Iwan Pasuchin gemeinsam mit zwei Kollegen errichteten) MediaLab – ab 2008 als senior lecturer. Schwerpunktsetzung auf die Förderung der Kompetenzen der Studierenden zur medienunterstützten kreativen Gestaltung und zur Durchführung intermedialer pädagogischer Projekte.
  • 2000 bis 2003 Herausgabe und/oder Gestaltung musik-mediendidaktischen Materials (Arrangements, Playbacks, Noten) für die Universal Edition Wien und für den Westermann Schulbuchverlag Braunschweig.
  • Ab 2001 Lehraufträge an der Fachhochschule Salzburg – Studiengang MultiMediaArt, der Paris-Lodron Universität Salzburg, der Donauuniversität Krems, der Pädagogischen Hochschule Salzburg und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Gastkurse, Gastvorträge und Workshops an mehreren (Kunst-)Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland und Österreich: Universität Gießen, Kunstuniversität Graz, Musikhochschule Stuttgart, Pädagogische Hochschulen Karlsruhe, Heidelberg und Wien. Schwerpunkt: Kreative Mediengestaltung in pädagogischer Projektarbeit sowie theoretische Reflexion der entsprechenden Tätigkeit.
  • Seit 2001 maßgebliche Mitwirkung an der Integration von Medienlehrveranstaltungen in die Studienpläne der Universität Mozarteum und an der Gestaltung ihres Gesamtaufbaus.
  • Errichtung und von WS 2002 bis SS 2006 Leitung des Master of Arts Universitätslehrganges 'Neue Medien in der Musikpädagogik' an der Universität Mozarteum Salzburg – eine Weiterbildung für AbsolventInnen musikpädagogischer Studien im Medienbereich auf universitärem Niveau. 2006 Konzeption des MA-Universitätslehrganges 'Intermediale künstlerische Bildung'.
  • Ab 2008 Erarbeitung, Erprobung und ständige Weiterentwicklung des 'WeTube'-Ansatzes (siehe nächster Abschnitt).
  • Im Schuljahr 2009/10 ausgehend vom WeTube-Projekt Ausarbeitung eines Konzeptes sowie Lehrplans für den Schwerpunkt ‚Kreative Mediengestaltung‘ an der NMS Salzburg-Lehen in Kooperation mit Lehrenden der Schule. Dieser Schwerpunkt wird ab dem Schuljahr 2010/11 ab der zweiten Klasse alternativ zum Informatikschwerpunkt zwei Stunden in der Woche im regulären Unterricht angeboten und ab dem Schuljahr 2011/12 von Iwan Pasuchin unterrichtet.
  • Ab dem Wintersemester 2015 Anbieten von Lehrveranstaltungen in Kooperation zwischen der Paris Lodron Universität Salzburg und der Universität Mozarteum Salzburg im Rahmen der Mitarbeit am interuniversitären Schwerpunkt „Wissenschaft und Kunst“.

WeTube

Grundidee

Die WeTube-Initiative basiert auf einer Methode 'kreativ-partizipativer Medienbildung', die Iwan Pasuchin in jahrelanger Praxisarbeit an Schulen unterschiedlichster Typen in ganz Österreich und im Rahmen eines von ihm für eine Hhauptschule in Salzburg konzipierten Unterrichtsfaches entwickelt hat. Bei der Methode stehen das Primat der Inhalte vor der Technik und eine konsequente Projektorientierung im Vordergrund: Ausgehend von thematischen, formalen sowie ästhetischen Ideen der Kinder und Jugendlichen wird gemeinsam mit ihnen nach technischen Realisierungsmöglichkeiten gesucht. Für die so entstehenden audiovisuellen Produktionen stellen die Projektbeteiligten das zu bearbeitende Bild- und Klangmaterial selbst her, wobei sie zumeist als HauptdarstellerInnen bzw. PerformerInnen fungieren. Somit erfahren Heranwachsende Medien als Werkzeuge des Ausdrucks eigener Meinungen, Vorstellungen und Identitäten, was ihre Kompetenzen zur aktiven Medienpartizipation fördert.

HINWEIS: Eine ausführliche Darstellung der theoretischen Hintergründe sowie der praktischen Umsetzungen des WeTube-Ansatzes finden Sie in den entsprechenden Artikeln im Bereich Publikationen.

Entwicklungsstadien des Projekts

  • Sommersemester 2008 - Pilotprojekt an der Hauptschule Salzburg-Lehen in Zusammenarbeit mit der 'Aktion Film Salzburg'. Analyse der YouTube-Produktion 'Amateur' von Lasse Gjertsen in Gegenüberstellung zu darauf bezogenen Videoantworten sowie Erstellung eigener Videoantworten. Das Projekt wurde ein Semester lang jeweils zwei Stunden in der Woche mit einer dritten Klasse (Altersgruppe 13-14) abgehalten und intensiv wissenschaftlich begleitet sowie evaluiert - Vorerhebungen, schriftliche Befragungen, Beobachtungsprotokolle und Gruppen- sowie Einzelinterviews.
  • Herbst 2008 - Die Produkte des Pilotprojektes und das dahinterstehende Konzept gewinnen den media literacy award des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) in der Kategorie Medienbildung, was - nicht zuletzt auf Grund des darauf folgenden Medienechos - der Initiative großen Auftrieb verleiht.
  • Wintersemester 2008/09 bis Wintersemester 2009/10 - Fortsetzung an der NMS Salzburg-Lehen unter ähnlichen Rahmenbedingungen, wie beim Pilotprojekt, mit dem Zweck, eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erzielen. Dabei jedoch Wahl anderer Ausgangsproduktionen und -themen sowie Weiterentwicklung der bestehenden bzw. Entwicklung neuer Schnitttechnik(en).
  • Juli 2009 - Durchführung des ersten WeTube-Projektes außerhalb der NMS Lehen (dreitägiger Workshop an der Volksschule Lehen). In diesem Rahmen - vom bm:ukk finanzierte - Ausarbeitung und Veröffentlichung von Unterrichtsmaterialien.
  • Schuljahr 2009/10 - Vom bm:ukk im Rahmen des NMS-eLearning-Paketes geförderte Durchführung von insgesamt sieben WeTube-Workshops an Neuen Mittelschulen in ganz Österreich, wobei die letzten zwei als Ideenwettbewerb ausgeschrieben waren: Klassen reichten Vorschläge für Videoproduktionen ein – die besten wurden von den SchülerInnen mit Hilfe von Iwan Pasuchin im Rahmen eines dreitägigen Workshops umgesetzt. In diesem Rahmen Erarbeitung von Unterrichtsunterlagen, die auf der Webseite der 'Virtuellen PH' veröffentlicht wurden.
  • Ab Sommersemester 2010 - Im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung des Schwerpunktes ‚Kreative Mediengestaltung‘ an der NMS Salzburg-Lehen Entwicklung neuer - im Vergleich zur Videoarbeit einfacherer - WeTube-Ansätze (Kurzbeschreibung einzelner Projektarten siehe Workshop- und Fortbildungsangebote.)
  • Ab Mai 2010 - Nach der Abhaltung der ersten WeTube-LehrerInnen-Fortbildung (Produkt = 'Who am I?') verstärktes Engagement in der Aus- und Weiterbildung – v.a. im Rahmen medienpädagogischer Angebote von Pädagogischen Hochschulen in Österreich.
  • Ab Herbst 2012 im Rahmen der Tätigkeit von Iwan Pasuchin als "regulärer" Lehrender im Schwerpunkt 'Kreative Mediengestaltung' an der NMS Salzburg-Lehen Weiterentwicklung des WeTube-Konzeptes in Hinblick auf seinen Einsatz im Regelunterricht. Gleichzeitig Durchführung mehrerer Workshops an berufsbegleitenden Schulen und Gymnasien. Im Zuge dessen entsprechende Anpassung der Methoden.

Erfolge

  • November 2008 - Verleihung des Hauptpreises beim media literacy award 2008 in der Kategorie Medienbildung. Jurybegründung: "Das Projekt ermöglicht einen unmittelbaren Anschluss an die medialen Alltagsaktivitäten der Jugendlichen, indem es an die beliebte Internetplattform YouTube anknüpft. Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Alltagswelt wird eine Stärkung des Selbstbewusstseins von Jugendlichen ermöglicht. Reflexive Kompetenzen, Gestaltungskompetenzen und technische Kompetenzen werden dabei weitgehend gefördert. Kurz: Ein gelungener zeitgemäßer pädagogischer Ansatz."
  • Januar 2009 - Die an der NMS-Lehen erarbeiten WeTube-Videos fungieren als "Opener" bei der Eröffnung der Stadtbibliothek, die – zwecks Stadtteilbelebung - in diesem Viertel angesiedelt wurde und erregen große Aufmerksamkeit bei der versammelten Prominenz aus Politik und Gesellschaft.
  • Ab Frühjahr 2009 - Mehrere Nominierungen für Medienpreise. Begründung des Jury des Ars Electronica - U19 Wettbewerbs 2009: "Großartiges Projekt, eine super Idee und eine gelungene Umsetzung. Die Videos sind in sehr witziger Weise im Rhythmus geschnitten und es ergibt sich daraus eine andere Sicht auf das Video-Footage. Schnitt und Synchronisation von Ton und Bild sind sehr rasant umgesetzt und machen das Video sehr mitreißend und es verbreitet positive Stimmung."
  • September 2010 - Gewinn des ICE-Medienpreises 2010 in der Kategorie "Medien mit bewegtem Bild".
  • Mai 2011 erster Preis in der Kategorie Junior des Wettbewerbs Talents Austria. In Ihrer Laudatio sagte die Jurorin Prof. Margarethe Grimus: "BEAM BAM BUM ist ein Filmprojekt, bei dem man am liebsten mitmachen möchte – so spannend ist die Geschichte, die erzählt wird, der hervorragende Videoschnitt und die exakte Choreografie und Rhythmik ziehen einen direkt in das Geschehen hinein."
  • Am 30 Mai 2012 wurde einem der Ergebnisse der WeTube-Workshops aus dem Schuljahr 11/12 ("Kaleidoskop der Kulturen") der Preis für das beste Juniorprojekt beim Wettbewerb Talents Austria verliehen. In der Jurybegründung heißt es u.a.: "Engagement und Eigeninitiative verbunden mit einer identitätsstiftenden und spielerisch umgesetzten Arbeitsaufteilung zur Stärkung einer neu entstandenen Klassengemeinschaft zeichnen dieses Projekt besonders aus." Außerdem hat "Kaleidoskop der Kulturen" das Finale des ICE-Medienpreises 2012 erreicht.
  • Im Mai 2013 Auszeichnung beim Wettbewerb Projekt Europa des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht Kunst und Kultur.

Projektarten

Für die zahlreichen bisher durchgeführten WeTube-Projekte wurden bereits mehrere unterschiedliche Zugänge und Methoden aktivierender kreativer Medienbildung entwickelt und es kommen stetig neue hinzu. Hier eine kleine (!) Auswahl der Projektarten, die derzeit in Form von Workshops mit Schulklassen oder im Rahmen von LehrerInnen-Fortbildungen angeboten werden:

WIMMELBILD / WIMMELKLANG

Wimmelbild

Beschreibung:

Gruppenfotos werden in einem Präsentations-programm so mit einzelnen Aktionsbildern und dazu gehörenden Klängen der Projektteilnehmenden kombiniert, dass eine interaktive Installation entsteht.

Beispiele:

Das Monster in mir

Living Drums

(HINWEIS: Klick öffnet eine Power-Point Datei)

Technische  Lernziele:

Grundlagen digitaler Klangbearbeitung und der einfachen interaktiven Gestaltung mit Power Point

IDENTITY SWITCH

Identity Switch

Beschreibung:

Gesichtsausschnitte sowie Namenssilben werden solange zu lustigen klanglichen und visuellen Verläufen zusammengesetzt, bis sich die wahren Identitäten der Mitwirkenden erschließen

Technische  Lernziele:

Grundlagen digitaler Bild- und Tonbearbeitung, fortgeschrittene kreative Gestaltung mit Power Point

STOMP IT!

Stomp It!

Beschreibung:

Videoaufnahmen kurzer geräuschhafter Aktionen werden mit Hilfe des Videoschnitts zu treibenden Rhythmen kombiniert

Technische  Lernziele:

Grundlagen der Videoaufnahme, einfacher Videoschnitt

TURNAROUND

Turn Around

Beschreibung:

Videoaufnahmen spontaner Bewegungsabläufe werden mit Hilfe des Schnitts und von Effekten zur Musik synchronisiert und damit zu Tanzvideoclips verarbeitet

Beispiele:

Technische  Lernziele:

Fortgeschrittene Videobearbeitung

FILMMUSIK / MUSIKFILM

Filmmusik - Musikfilm

Beschreibung:

Eine zu einem Mix von Filmmusiken dargestellte, gefilmte und geschnittene Szene wird mit vorgefertigten oder selbst erstellten Klängen und Loops vertont

Technische  Lernziele:

Narrative Videoaufnahme und ebensolcher Videoschnitt, loopbasierte Musikerstellung

Beispielprojekte

Die Endergebnisse vieler WeTube-Projekte können auf dem YouTube-Kanal "tubethewetube" betrachtet werden (siehe auch 'Interne Top 10'). Hier werden nur vier Produktionen vorgestellt, die sehr unterschiedlich sind und damit die große Vielfalt der Ansätze abbilden.


Girls | Boys

Die bisher bzgl. der Aufrufe (Klicks) auf YouTube erfolgreichste WeTube-Produktion stammt aus der Anfangszeit von Pasuchins Tätigkeit an der NMS-Lehen und hat – die in der konkreten Gruppe massiv vorherrschenden – Geschlechterkonflikte zum Thema. Zur Herstellung der Rhythmen führten die Mädchen und Jungen für sie typische (bzw. als solche erachtete) Geräusche und Bewegungen aus. Die darüber gelegten in der Art eines Raps verarbeiteten Sprechtexte wurden von den Antworten abgeleitet, welche die SchülerInnen anonym auf Fragen zu ihrer Meinung zum anderen Geschlecht gaben.


Kaleidoskop der Vielfalt

Pasuchin führte auch mehrere Projekte an Gymnasien durch – u.a. eines am Musischen Gymnasium in Salzburg, bei dem diese technisch bisher aufwändigste Produktion entstand. Thematisiert wurden die divergierenden Vorlieben für Musik- und Kleidungsstile innerhalb der Klasse, wobei die Herausforderung darin bestand, eine gemeinsame Basis auf klanglicher und visueller Ebene zu finden. Die einzelnen Personen bzw. Gruppen führten ihre musikalischen Darbietungen sowie Bewegungen vor einem grünen Tuch aus, was den Austausch des Hintergrundes und die Kombination der Formationen bei der Videonachbearbeitung ermöglichte.


Identity Switch

Seit 2011 gestaltet Pasuchin WeTube-Projekte im Rahmen von Lehrenden-Fort- und Ausbildungen, wobei er gemeinsam mit den TeilnehmerInnen die Ansätze weiter- und manchmal neu entwickelt. Die hier präsentierte Produktion war eine der Ersten unter Einsatz der "Identity Switch"-Technik und wurde vollständig in PowerPoint erstellt (was die schlechte Bildqualität erklärt). Das Ziel bestand darin, mit einfachsten Mitteln eine Art Musikvideo herzustellen, in dem die KursteilnehmerInnen als HauptdarstellerInnen fungieren. Später wurde die Technik auch genutzt, um – als Vorstufe zur Videoarbeit – mit SchülerInnen kurze Zeichentrickfilme herzustellen.


Weg mit dem Speck

Die Möglichkeit, mit Hilfe eines einzigen – prägnant eingesprochenen – Satzes längere rhythmische und sogar melodische Verläufe zu gestalten, wurde bei diesem Projekt aus der Reihe "advertisement reloaded" erkundet. Es wurde mit Hilfe der Förderung "culture connected" (einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung für Kooperationen zwischen Schulen und Kulturpartnern) am Erzbischöflichen Privatgymnasium Borromäum realisiert. Das Produkt dient Pasuchin als Einstieg in das Thema "Sampling" bei seinem entsprechenden Unterricht mit SchülerInnen und Studierenden.